The End of the World as we know it…

Ich habe mir über die letzten paar Jahre eine Einstellung angeeignet, die ich selbst lange etwas irritierend fand. Inzwischen ergibt das Ganze aber einen Sinn. Es geht im Grunde um das Spannungsfeld zwischen einer optimistischen, einer pessimistischen und einer realistischen Sicht auf die Welt.

 

Eigentlich bin ich ein sehr engagierter und altruistischer Mensch. Ich bin immer irgendwo für eine oder meist eher mehrere gute Sachen aktiv, egal, ob es um Bildungspolitik, Frieden, Klimaschutz, Assistenzhunde oder einfach um enge Freund*innen geht, die meine Unterstützung brauchen. Ich habe einen gewissen Weltverbesserungsanspruch und glaube, dass jeder Mensch einen Einfluss hat und Unterschiede machen kann. Dabei muss ich permanent darauf achten, meine eigenen Belange nicht zu vergessen und mich selbst nicht zu unwichtig zu nehmen. Für andere Menschen da zu sein funktioniert nur, solange mensch sich selbst pflegt und in einem guten, leistungsfähigen Zustand hält. Wer abbrennt, wie eine Wunderkerze, kann ziemlich bald niemandem mehr Helfen, weil er oder sie selbst alle verfügbare Energie verbraucht hat und platt am Boden liegt. Nur dieses Wissen hat mich schon öfter davor bewahrt, meine eigenen Bedürfnisse allzu sehr zurückzustellen – ich bin nur so lange hilfreich, wie es mir selbst gut geht. Dafür reicht nicht immer die Bestätigung, die ich aus meinem Engagement ziehe. Eigentlich müsste ich mir selbst viel öfter gezielt etwas Gutes tun – tue ich aber immernoch zu selten, weil die Anderen mir eben wichtiger sind als ich selbst.

 

Und dennoch bin ich in den letzten Jahren sehr fatalistisch geworden. Utopien sind, was sie sind. Wir werden nie Weltfrieden erleben, weil Menschen ganz generell zu aufbrausend und aggressiv sind. Dder Klimawandel zerstört unseren Lebensraum unaufhaltsam und die Menschen ändern ihr Verhalten und ihren Umgang mit Energieressourcen trotzdem nicht. Oder sie leugnen sogar jeden Zusammenhang zwischen ihrem Lebenswandel und den fatalen Entwicklungen, damit sie von ihrem Luxus bloß nichts abgeben oder ihr Handeln hinterfragen müssen. Sie werden niemals aufhören, sich gegenseitig und ihre Mitwelt auszubeuten. Was sich jetzt noch tun lässt, reicht nicht, um die negativen Entwicklungen rückgängig zu machen oder auch nur aufzuhalten. Alles, was noch geht, ist eine gewisse Schadensbegrenzung – und nichtmal die wird umgesetzt. Also bleibt nur Beruhigung des eigenen Gewissens durch ein möglichst ethisches und bewusstes Verhalten, damit zumindest ich selbst mir nichts vorzuwerfen habe.

 

Aber wie passt das zusammen? Wie kann ich gleichzeitig an tausend kleinen Einzelbaustellen versuchen, die Welt zu retten, und andererseits die Überzeugung pflegen, dass eh nichts mehr zu retten ist? Vielleicht ist es der Gegensatz zwischen dem eigenen Wirkungskreis und dem globalen Ganzen. Das globale Ganze kann niemand retten, egal ob als Einzelperson oder als große NGO. Jeder Mensch kann und sollte aber versuchen, das eigene Leben so gut wie möglich einzurichten – bewusst leben, auf Ressourcen achten, informiert und reflektiert konsumieren, friedlich und wertschätzend mit der Mitwelt umgehen, und bei Alledem dennoch eine gute Zeit haben und Anderen eine gute Zeit bereiten. Das rettet zwar nicht die Welt, aber erstens beruhigt es wirklich das Gewissen, weil mensch zumindest das Möglichste tut, und zweitens führt dieses Möglichste vielleicht zumindest zu einer kleinen Veränderung der eigenen, unmittelbaren Umwelt und der Überzeugungen und Handlungsweisen der Menschen, mit denen ich interagiere. Jedes Individuum kann einen Unterschied machen, etwas bewirken und anderen Individuen bei ihrer Meinungsbildung helfen. Das ist der Kern von Öffentlichkeitsarbeit: Überzeugt und überzeugend hinter dem stehen, was mensch tut und nach außen vertritt.

 

Ich kann Überzeugungsarbeit leisten, indem ich selbst das vorlebe, was ich für richtig halte. Ich kann wertschätzend kommunizieren, gewaltfrei handeln,meinen Konsum hinterfragen und auf Fairness und Ökobilanzen achten, Produkte aus Massentierhaltung meiden und so wenig Müll wie möglich produzieren, ich kann mein Mobilitätsverhalten und meinen Energieverbrauch so sparsam wie möglich gestalten, so wenig wie möglich Individualverkehr nutzen und aufs Fliegen verzichten, ich kann erneuerbare Energien unterstützen statt Kohle- und Atomstrom zu kaufen und ich kann versuchen, mich insgesamt nachhaltig und ethisch zu verhalten. Und ich kann über das sprechen und schreiben, was ich tue. Auf dieser Ebene finden die Dinge statt.  Diesen Einfluss habe ich – das ist alles. Mehr gibt es nicht zu tun. Einen größeren Teil der Welt als meinen eigenen Bereich kann ich nicht retten, aber ich muss dennoch alles tun, was ich tun kann. Dabei missioniere ich nicht sondern gehe einfach nur mit gutem Beispiel voran und hoffe auf eine möglichst große Strahlkraft.

 

Darüber hinaus gibt es natürlich Aktivismus und Lobbyismus, Diskurs- und Bewusstseinsbildung auf einer abstrakteren Ebene. Diese abstrakte Ebene kommt aber nur dort an, wo schon Grundlagen gelegt sind. Einen Menschen, der den Klimawandel leugnet, erreiche ich mit Argumenten und öffentlichkeitswirksamen Aktionen nicht – er oder sie wird eher Vorurteile über Aktivist*innen bestätigt sehen als seine oder ihre Meinung zu ändern. Der klassische Bestätigungsfehler führt dazu, dass Menschen eine große Tendenz haben, nur Informationen für richtig zu halten, die in ihr vorgefasstes Weltbild passen. Traurigerweise erreiche ich also nur die Menschen, die erreicht werden wollen und bei denen meine guten Beispiele oder meine überzeugenden Texte auf fruchtbaren Boden fallen, weil sie schon in eine ähnliche Richtung denken. Ich kann Menschen dort abholen, wo sie stehen, um ihnen Dinge klar zu machen. Aber ich werde niemals eine vorgefasste Meinung um 180° umdrehen.

 

Es ist sinnvoller und befriedigender, nicht gegen Windmühlen zu argumentieren, sondern einfach sein Ding durchzuziehen und zu hoffen, dass so viel Gutes wie möglich hängenbleibt.

Trotzdem werde ich natürlich auch weiterhin Menschen an ihren Standpunkten abholen, öffentlich argumentieren und Pamphlete verfassen. Aber ich bin mir komplett klar darüber, dass ich damit weitaus weniger echtes Umdenken anstoße als durch mein alltägliches Handeln.

 

PS: Den Titel dieses Beitrags habe ich bei R.E.M. geklaut.

2 Gedanken zu “The End of the World as we know it…

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